(Abenteuergeschichte für Kinder und Jugendliche)
Textauszug Kapitel 7
...
Laini war eine andere geworden, seit sie in Afrika war. Ihre Augen hatten mehr Weite bekommen, genau wie ihr Herz. Leichtigkeit hatte sich auf ihre Arme gelegt wie der Wind auf die Flügel eines Vogels. Und etwas in ihr, was einmal sie selbst werden sollte, hatte begonnen, zu wachsen. Willen und Stärke entstanden, verdrängten den Trotz, wie sie ihn zu Hause bei ihrer Mutter hilflos eingesetzt hatte, wenn sie etwas haben wollte.
Die Gedanken lernten, nicht mehr durcheinander und wahllos durch ihren Kopf zu fliegen, sondern an einem Gerüst fest zu halten, aus dem einmal ein Plan entstehen würde.
Der Plan, den sie heute fasste, war, Rehema einen Besuch abzustatten. Sie musste einfach wissen, ob Banji sich dort aufhielt und warum er ohne ein Grußwort aus Lainis Leben verschwunden war.
Laini hatte das Gefühl, das es keinen Sinn machen würde, sich ein Märchen für ihren Vater auszudenken. Sie beschloss, ganz direkt zu sagen, was sie an diesem Tag unternehmen wollte.
„Bringst du mich zu Banjis Großmutter?“ fragte sie ihren Vater, als er ihr Kakao einschenkte.
„Bitte?“
„Du hast mich schon richtig verstanden“, sie versuchte ein gewinnendes Lächeln.
„Woher kennst du die alte Dame denn, Laini?“ wollte er wissen.
Laini atmete langsam und konzentriert. Sie ballte die kleinen braunen Hände zu Fäusten, damit die Lüge in ihrem Bauch schlüpfen konnte, um klebrig über ihre Lippen zu kriechen.
„Ich kenne sie gar nicht. Aber wenn Banji dort ist, werde ich sie kennen lernen.“
Ihr Vater nickte.
Laini schluckte. Sie war entsetzt, wie leicht sie lügen konnte. Aber sie log nicht einfach so. Sie log für Banji.
„Was interessiert dich denn an dem Jungen? Er hat dir doch nur den Rucksack gebracht.“
„Ja. Aber“, jetzt musste Laini nachdenken. Ihr Vater hatte keine Ahnung, das Laini einen ganzen Tag lang mit Banji auf dem Motorrad unterwegs gewesen war. Für ihn war also die Sache mit dem zurückgebrachten Rucksack die einzige Verbindung zwischen ihr und dem Sohn von Doktor Sallua.
„Außer mir ist er hier das einzige Kind, Papa. Ich dachte, er könnte vielleicht mein Freund werden. Aber wie soll er das, wenn er die ganze Zeit bei seiner Großmutter ist?“
Das leuchtet dem Vater ein.
„Gut dann bring ich dich zu ihr raus. Das heißt, wenn ich die Hütte noch finde.“
Lainis Herz tanzte vor Freunde, das es so einfach gewesen war. Aber fast im gleichen Moment schrumpfte es zu einer kleinen Kugel voller Angst zusammen. Was, wenn Banji sie gar nicht sehen wollte? Wenn er ihr nur diesen einen Gefallen getan und sie zu der weißen Antilope geführt hatte, sonst aber nichts mit ihr zu tun haben wollte?
Nun, dann musste sie damit zurecht kommen. Es würde immer noch besser sein als die Ungewissheit, die vielen Gedanken an ihn, seine leuchtenden Zähne, die großen Augen, das glänzende Kraushaar und seinen Geruch nach Freiheit. Bisher hatte sie noch keinen Jungen kennen gelernt, den sie so gut leiden mochte. Es fühlte sich nach einem kleinen Schmerz an, nicht mehr so schlimm wie am Anfang, aber auf jeden Fall so wie ein Bienenstich, das er ihre Zuneigung vielleicht nicht erwiderte.
„Bist du fertig?“
Die Stimme ihres Vaters flog durch die Tür herein, während Laini noch dabei war, sich das Haar zu kämmen und mit ihrem Lieblingshaarreif nach hinten zu stecken. Auf ihrem roten Shirt leuchtete eine gelbe Blume, bestimmt würden Banji die kräftige Farben gefallen. Immer wieder ertappte sie sich beim Gedanken an ihn.
...
()



